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17.12.2024 / 12:12

"Der Schwingungspunkt ist die Anthroposophie“

Die Zeitschrift info3 ist aus dem Umkreis der anthroposophisch orientierten Lebens- und Arbeitsfelder kaum noch wegzudenken. Im Interview geben Jens Heisterkamp und Anna-Katharina Dehmelt Einblicke in ihre Arbeitsweise – und erklären, warum nur neue Abos ihr Projekt am Laufen halten können.

mit J. Heisterkamp | A.K. Dehmelt

J. Heisterkamp | A.K. Dehmelt

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Liebe Anna-Katharina, lieber Jens, was möchtet Ihr Euren Leserinnen und Lesern mitgeben?

AKDe: Vor allem Anregungen, vielleicht auch Einsichten. Wir erweitern den Horizont und erzählen von Themen, für die man sich interessieren kann, auch wenn man das bisher möglicherweise noch nicht getan hat. Dabei haben wir immer auch den anthroposophischen Blick auf die Welt.

JH: Und ganz wichtig: Lesefreude! Wir wollen eine Zeitschrift gestalten, die literarisch gut ist, an der man sich freut, weil einem Menschen, Projekte und Ideen vorgestellt werden, über die auf interessante Weise geschrieben wird.

Wir lernen ja im Entstehungsprozess der Zeitschrift quasi gemeinsam mit den Lesenden neue Menschen kennen. Wie denken die? Was wollen sie in die Welt bringen? Wie haben sie das ganz individuell konkret gemacht? Das ist immer wieder spannend! Und der Schwingungspunkt ist die Anthroposophie. Aber es gibt auch vieles, was damit eine Verwandtschaft hat. Das versuchen wir auch immer wieder anzusprechen und einzubeziehen.

Eine schöne Herangehensweise! Wie findet Ihr denn Eure Themen?

JH: Viel durch das Interesse am öffentlichen Geschehen: Politik, Kunst, Kultur, Wissenschaft – wir bleiben aufmerksam und sind dazu in der Redaktion untereinander permanent im Austausch. Immer mit der Frage: Was könnte für unsere Leserschaft interessant sein? Auch, indem wir andere Medien „durchpflügen“ oder neue Bücher verfolgen.

Das klingt spannend! Ihr habt aber ja durchaus auch ganz eigene Themenschwerpunkte.

AKDe: Wir hatten zum Beispiel in diesem Jahr Themenschwerpunkte zur Homöopathie, über Wahrheit, zum Thema Reisen oder zur Kunst als Kraftquelle. Manches liegt in der Luft oder ist einfach dran, etwa Homöopathie oder 100 Jahre biologisch-dynamische Landwirtschaft, manches „setzen“ wir. Zum Beispiel das Dezember-Heft zum Thema „Übersinnliche Erfahrung“. Das war ein Impuls von einem der Redaktionsmitglieder und es kam uns nicht unbedingt von überall entgegen, dass wir dazu auch mal was machen müssten. Das war beim Thema der „verletzlichen Demokratie“ im November 2024 ganz anders. Da hatten wir wirklich das Gefühl, wir greifen etwas auf, was sich gerade im Zeitgeschehen tut. Für all das ist Platz bei info3, für Aktuelles und für individuelle Initiative – wir haben da einen großen Freiraum.

Was haltet Ihr für besonders wichtig mit Blick auf die Zukunft?

AKDe: Bei den Polarisierungen nicht mitzumachen. Das ist im Moment eine Devise, die wir haben. Das war in der Geschichte von info3 nicht immer so. Wir bemühen uns, Themen so zu bearbeiten, dass man nicht über Meinungen, sondern über einen Erkenntnisansatz an ein Thema herankommt und dass sich verschiedene Artikel gegenseitig beleuchten.

JH: Wir sehen uns ja als Vertreter einer zeitgemäßen Anthroposophie, und die will eine bestimmte Bewusstseinsart in die Öffentlichkeit bringen. Also eine bestimmte, eine erweiterte Form zu denken über den Menschen, über die Welt, die das Geistige einbezieht, die auch einen Bezug zum Lebendigen und zum Kosmischen aufzeigt. Dieses ganze Spektrum interessiert uns, und da schauen wir immer wieder neu auf den Fundus der Ideen Steiners. Aber eben meistens über Menschen, die konkret damit arbeiten. Wir betreiben also keinen Weltanschauungsjournalismus, sondern fragen: Wie setzen Menschen das um, welche Wege gehen sie? Besonders wichtig ist uns auch: Was gibt es denn sonst für interessante Zeitgenossen, für zeitgenössische Ansätze, die eine Verwandtschaft mit der Anthroposophie haben, ohne sie vereinnahmen zu wollen, und durch die sichtbar wird: Die Anthroposophie, das ist nichts Isoliertes, was jetzt einen Kampf um die Anerkennung eines bestimmten Standpunkts führen müsste. Wir suchen das Verbindende. Zum Beispiel bei einer Frau wie der Schriftstellerin Marica Bodrozic, mit der wir ein langes Interview geführt haben: Sie hat ja auch einen geistig vertieften Blick, zum Beispiel auf die Natur und auf Tiere. Oder wir sprechen mit einem evangelischen Kirchenhistoriker, der offen für die Idee der Reinkarnation ist.

Eine schöne Aufgabe, der Ihr Euch monatlich stellt! Wie kann Eure Arbeit unterstützt werden?

AKDe: Am besten über ein Abonnement. Die Zeitschrift info3 ist ja völlig unabhängig, hinter uns steht kein Verband, der uns unterstützt, wenn’s holprig wird.

JH: Unsere Arbeit finanziert sich allein durch die Menschen, die die Zeitschrift kaufen und uns damit auch in den jetzigen, finanziell etwas holprigen Zeiten unsere Tätigkeit ermöglichen. Wir freuen uns da wirklich über jeden Abonnenten und jede Abonnentin und die damit verbundene Wertschätzung unserer journalistischen Arbeit.

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