mit Friedemann Uhl
Friedemann Uhl
Die Generalversammlung dieses Jahr am Goetheanum wurde mit großer Spannung und schwierigen Gefühlen erwartet, da es im Vorfeld viele, zum Teil sehr kontroverse Stimmungen gab, die in einer Vielzahl von Anträgen Ausdruck fanden. Noch wenige Wochen vorher war das vorherrschende Gefühl eine Ratlosigkeit darüber, ob und wenn ja, wie sich dieser Knoten wohl lösen ließe. Wie kann das gemeinsame Anliegen, das ja hinter allen den Initiativen sowie hinter der Arbeit des Vorstandes liegt, so sichtbar werden, dass das Trennende, das meist in Missverständnissen und Fehlkommunikation liegt, überwunden werden kann?
Um so überraschender was es dann, ans Goetheanum zu kommen! Schon am Freitag, als sich vorweg eine Reihe von Antragsstellern mit ihren Anliegen vorstellte, war die Stimmung gelöst und konstruktiv, ja freudig. Dies lag auch daran, dass die Antragsteller im Vorfeld in moderierte „Foren“ zusammengerufen wurden. Dort konnte vieles bearbeitet und deshalb von der Abstimmung zurückgezogen werden. Die Vorarbeit in den von Moderator und Organisationsentwickler Harald Jäckel moderierten Foren war so erfolgreich, dass allseits sogar von „Vertrauen“ gesprochen wurde. Hier ist offensichtlich ein fruchtbarer Arbeitsprozess angestoßen worden, dessen Tragweite sich im Laufe der Versammlung zeigte, da sich die meisten noch offenen Anträge in den Arbeitsprozess einbinden ließen. Im Laufe der Antrags-Vorstellungen wurde klar, dass sie alle im Kern dasselbe Anliegen hatten: eine Neuaufstellung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Daher war es ein von den meisten Anwesenden getragenes Bedürfnis, keine Dinge zu beschließen, die sich als für den angefangenen Entwicklungsgang hinderlich erweisen könnten. Eine Ausnahme bildet der Antrag zur Wiederherstellung des ursprünglichen Untertitels der Zeitschrift „Das Goetheanum“. Hier wurde mehrheitlich für die Einführung gestimmt.
So war am Samstagabend tatsächlich eine Aufbruchstimmung zu erleben, ein Gefühl, dass etwas geschehen ist, was in die Zukunft gehen kann. Es ist in einer überraschenden Weise ein Gemeinschaftsgefühl entstanden, in dem man sich nun zutraut, die schon lange schwelenden und konfliktreichen Fragen – im Besonderen die der Konstitution der Gesellschaft – nun endlich angehen zu können.
Wohl dadurch, dass es während der Versammlung keinen Raum gab, in dem diverse Herzensanliegen Platz fanden, ist es am Sonntag wegen einiger deutlich deplatzierten Beiträge zu Unmut und Ungeduld gekommen – eine Sache, die hoffentlich im nächsten Jahr besser gegriffen wird, z.B. in Gesprächsgruppen oder einem Nebenraum, in dem angemeldete, nicht in der Tagesordnung vorgesehene Themen und Anliegen eingebracht werden können.
Die Generalversammlung war aus meiner Sicht ein durch die Vorarbeit in den Foren gelungenes und zukunftsweisendes Wochenende. Es steht zwar noch viel Arbeit an, wie deutlich zutage trat. Die Grundlagen sind aber gelegt. Man kann hoffen und mit guten Gedanken begleiten, dass es in den angekündigten, für alle Mitglieder offenen Foren so weitergeht.
Friedemann Uhl | AGiD, Arbeitszentrum NRW
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