mit Sebastian Knust
Sebastian Knust
Harald Matthes (Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe) und Gerald Häfner (Goetheanum) | Bild: Goetheanum.TV In Leitmedien und weiten Teilen der Politik wird die vierte Corona-Welle als „Pandemie der Ungeimpften“ beschrieben. Die Ungeimpften seien also Schuld an der Überlastung der Krankenhäuser und an den hohen Inzidenzen in Deutschland. Matthes hält diesen Behauptungen den eklatanten Rückgang der Intensivbetten im Vergleich zur dritten Welle Anfang des Jahres 2021 entgegen, beruhend auf der hohen Abwanderung von Pflegepersonal. Außerdem sieht er die Problemlage der vierten Welle vor allem bei der Politik, die eine angemessene Booster-Kampagne von Geimpften im Sommer schlicht versäumt hat:
„Deutschland liegt [bezüglich der Impfquote von zu der Zeit 68%, Anm. d. Red.] eigentlich im Durchschnitt der anderen europäischen Länder. Wir liegen gleichauf wie die Nachbarstaaten. Aber wir haben viel zu spät geboostert, wir haben viel zu spät reagiert. Und daher können wir sagen, wir haben nicht die Pandemie der Ungeimpften, sondern wir haben derzeit eine Pandemie der verschlafenen Boosterung!“
Und er ergänzt: „Die vierte Welle wird von der Politik diskriminierend auf nicht Geimpfte geschoben, obwohl die Politik selbst versäumte, rechtzeitig auf das Boostern, auf die Strukturen und die Verteilung des Impfstoffs zu achten.“
Matthes spricht sich klar für die Impfung von Risikogruppen aus, also vor allem von Älteren und Menschen mit Vorerkrankung. Der von weiten Teilen der Politik und Leitmedien propagierten Impfpflicht hält er drei Argumente entgegen:
Im letzten Teil des Gesprächs nimmt Matthes Stellung zu den persönlichen Angriffen in der Satire Sendung des ZDF „Die Anstalt“ vom 7. Dezember 2021. Dort erklärt ein Moderator der Kunstfigur „Isaak Newton“, dem Begründer der modernen Naturwissenschaft, die angeblichen unwissenschaftlichen Umtriebe der anthroposophischen Medizin. Matthes entgegnet darauf:
„Wenn Sie sich mit einem Weltbild verbinden, dass 300 bis 400 Jahre alt ist und das nur naturwissenschaftliche Menschenerkenntnis betreibt, dann werden sie aus meiner Sicht in keinster Weise dem Menschen gerecht. In der anthroposophischen Medizin schätzen wir die Naturwissenschaft ja genauso wie die Lebenswissenschaften, die Sozialwissenschaften, die Psychologie wie aber auch die Ethik und die Geisteswissenschaften. Und wenn wir nicht diesen Wissenschaftspluralismus haben, sondern mit einer 400 Jahre alten Keule meinen, der Mensch sei nur ein Stück Stoff und nicht in den Diskurs gehen, dann wird eine Satiresendung zur Realsatire.“
Sebastian Knust | AGiD, Öffentlichkeitsarbeit
Professor Dr. Harald Matthes ist Mitbegründer und ärztlicher Leiter des 1995 gegründeten Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe (Berlin) mit großer Corona-Station und eigenem Impfzentrum sowie viel Erfahrung in der Behandlung von Covid-19. Er ist zudem Professor für integrative und anthroposophische Medizin in der Charité in Berlin.
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