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18.12.2021 / 21:55

Individualisieren und Zusammenhang bilden

Über das Hochschulkolloquium am 5. Dezember 2021 in Stuttgart.

mit Christine Rüter

Christine Rüter

Brücke auf die andere Seite | Foto: Andreas Breitling, Pixabay

Wie sieht die Zukunft der Hochschularbeit in der Anthroposophischen Gesellschaft aus? Welche Formen wird sie annehmen und wie wird sie sich gestalten? Zu diesen und weiteren Fragen haben wir uns zu Beginn dieses Monats ausgetauscht.

Neben der Mitgliedschaft in der Anthroposophischen Gesellschaft kann man auch, wenn man sich darüber hinaus für die Anthroposophie einsetzen und sich auf den Weg der Selbstschulung begeben möchte, Mitglied der „Freien Hochschule für Geisteswissenschaft“ werden. Die Hochschule umfasst, um dies zu erläutern, zwei Aspekte: Es gibt die Sektionen für verschiedene Fachrichtungen, wo im Sinne der Anthroposophie geforscht wird. Und es gibt die sogenannten „Klassenstunden“. Dies sind Texte von Rudolf Steiner, die sich mit dem anthroposophischen Schulungsweg beschäftigen und entsprechende mantrische Sprüche enthalten. Letztere wurden seit Rudolf Steiners Zeiten in einer bestimmten traditionellen Art und Weise vornehmlich in den vielen Zweigen gepflegt. Seit der allgemeinen Veröffentlichung der Texte in den neunziger Jahren, entstanden viele sogenannte „Freie Gruppen“, die sich mit den Inhalten der Klassenstunden in neuer und vielfältiger Weise beschäftigten. Seit einigen Jahren schaffen wir einen Begegnungsraum zwischen den freien Gruppen und denjenigen, welche die ursprüngliche Methode pflegen, wie z.B. den „Hochschultag“ in Hamburg, der das zweite Jahr in Folge im November 2021 stattfand (siehe auch den Bericht im letzten Newsletter). Ein zentrales Thema dieses Treffens war die Frage, wie solche methodisch individualisierten Üb-Gruppen sich in Zusammenhang mit der „Hochschule“ setzen und halten können.

Im März und Dezember diesen Jahres  fand darüber hinaus ein jeweils eintägiges „Hochschulkolloquium“ in Stuttgart statt. Etwa 15 Menschen kamen zusammen, um die Entwicklung einer Begegnungskultur der verschiedenen Ansätze zu besprechen. Dort wurde deutlich, dass die Vertreter*innen der ursprünglichen Methode besonders verbunden sind mit der weltweiten Hochschul-Bewegung und der Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft. Außerdem hat die Frage nach einer verantwortungsvollen Repräsentanz der Anthroposophie in diesem Strom ein großes Gewicht. Die Vertreter der freien Gruppen fanden durch den eigenen Umgang mit den Klassenstunden und der Suche nach neuen Formen einen sehr persönlichen, lebensverändernden Weg. Man könnte sagen, dass sowohl die Frage der Vertretung, der Repräsentanz für die anthroposophische Gesellschaft, als auch die Erforschung eines persönlichen Schulungswegs mit Hilfe der Klassenstunden wichtige Säulen sind, die es auszubauen und weiterzuentwickeln gilt.

„Wenn vieles auf individuellem Wege auseinanderdriftet, sollte es durch den Willen der Beteiligten wieder bewusst zusammengebracht werden“, so der Tenor des Kolloquiums am 5. Dezember in Stuttgart. „Das geschieht durch die eigene Verantwortung gegenüber der geistigen Welt, in der Verantwortung für die Zusammenarbeit in der Hochschule, im Sinne einer Gemeinschaftsbildung sowie in der Verantwortung für die gesamtgesellschaftliche Situation, in der wir gegenwärtig leben“. Hier liegt der „Schlüssel“ für ein wirkliches, gegenseitiges Interesse an den verschiedenen Arbeitsweisen.

Als nächste Schritte, die sich an die hier beschriebene Arbeit anschließen soll, wurden ins Auge gefasst, die gegenseitige Wahrnehmung durch gemeinsam vorbereitete Tagungen und Begegnungsmöglichkeiten im Jahr 2022 weiterzuentwickeln.

Christine Rüter | Vorstandsmitglied

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