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18.06.2024 / 07:07

Anthroposophische Medizin in der NS-Zeit

Wie verhielten sich Vertreter der Anthroposophischen Medizin in der NS-Zeit? Eine neue Studie zeichnet ein differenziertes Bild mit allen Facetten zwischen Anpassung und Widerstand.

mit Laura Krautkrämer

Laura Krautkrämer

Buchcover des ersten Bands der dreiteiligen Studie. Bild: Schwabe-Verlag

Welche Rolle spielte die Anthroposophische Medizin während des Nationalsozialismus? Einerseits wurde sie kritisch beobachtet und unterlag spätestens nach dem Verbot der Anthroposophischen Gesellschaft 1935 starken Restriktionen, anderseits gab es ein grundsätzliches Interesse der NS-Führung an „Naturmedizin“ und Homöopathie. Mehr Durchblick angesichts der komplexen Lage verspricht das breit angelegte Forschungsprojekt Anthroposophische Medizin, Pharmazie und Heilpädagogik im Nationalsozialismus. Acht Jahre lang haben Prof. Dr. Peter Selg, Susanne H. Gross und Matthias Mochner dazu im Auftrag der Gesellschaft anthroposophischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland Archivakten gesichtet und auch bislang unveröffentlichte Unterlagen analysiert. Beraten wurden sie dabei von zwei Medizinhistorikern der Berliner Charité, Prof. Dr. Thomas Beddies und Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach.

Ende Mai präsentierte der renommierte Schwabe Verlag nun den ersten Teil der insgesamt auf drei Bände angelegten Studie in den historischen Räumlichkeiten des ehemaligen Rudolf-Virchow-Hörsaals der Charité in Berlin. Anthroposophie und Nationalsozialismus. Die anthroposophische Ärzteschaft beleuchtet, wie diese Berufsgruppe sich ab 1920 entwickelte und welche Wege einzelne Vertreter nach 1933 einschlugen. Es waren etliche Hürden zu nehmen, angefangen bei der Frage, wie der untersuchte Personenkreis überhaupt einzugrenzen sei – schließlich handelte es sich um eine höchst heterogene Gruppe mit lediglich loser Verbandsstruktur. Hier leistete das Autorenteam akribische Recherchearbeit, sichtete Adresslisten des anthroposophischen Heilmittelherstellers Weleda ebenso wie unzählige weitere Archivunterlagen. Gut 600 Personen wurden schließlich der anthroposophischen Ärzteschaft zugeordnet – angesichts von damals rund 50.000 Ärztinnen und Ärzten in Deutschland eine überschaubare Größe ...


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