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17.09.2022 / 13:21

Fast schon verschwörungstheoretisch

In der FAZ kritisiert ein polemischer Text die Anthroposophen, die sich gegen unsachliche Kritik zur Wehr setzen. Insbesondere wird wieder einmal die Anthroposophische Medizin attackiert. Ein Kommentar von Jens Heisterkamp, Chefredakteur der anthroposophischen Zeitschrift Info3.

mit Jens Heisterkamp

Jens Heisterkamp

Screenshot der FAZ-Website

An mediale Angriffe gegen die Anthroposophie hat man sich in den letzten beiden Jahren so sehr gewöhnt, dass man als Anthroposoph schon fast froh ist, in dem Artikel Was hilft’s? von Hinnerk Feldwisch-Drentrup in der FAZ vom 15. August nicht gleich als Anti-Demokrat oder Rassist tituliert zu werden (Originaltext hinter Paywall). Aber als Anhänger dieser „esoterischen Glaubenslehre“ ist man heute bereits ausreichend als erledigt zu betrachten, weil man schließlich an „obskure, absurd anmutende Theorien“ glaubt. Für den FAZ-Autor ganz unbegreiflich macht sich dieser Unsinn heute jedoch in praktisch allen Lebensbereichen erfolgreich geltend, von Unternehmen wie Alnatura und der GLS Bank bis hin zu den Waldorfschulen. Und spätestens hier wird es natürlich gefährlich. Viele Menschen auch im Waldorf-Umfeld haben Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Coronamaßnahmen gezeigt. „Baseler Soziologen sehen das Alternativ- und anthroposophische Milieu im Südwesten Deutschlands als eine ‚zentrale Quelle‘ der (Querdenker-)Bewegung“, bemüht Feldwisch-Drentrup zum wiederholten Mal eine längst von den Autoren Frei und Nachtwey selbst als nicht repräsentativ eingeschränkte Studie, in der sich übrigens die befragten Verantwortlichen anthroposophischer Einrichtungen allesamt klar von Coronaskeptikern distanziert hatten. Nicht das wird aber wiedergegeben, sondern die immer gleiche, im Kern unbelegte These des Basler Autoren-Duos.

Aber es geht dem Autor ja auch nicht um Information oder echte Recherche. Das zeigt sich ganz besonders im Herzstück seines Artikels, das sich die Anthroposophische Medizin vornimmt. Schließlich ist Feldwisch-Drentrup Mitgründer des Blogs Medwatch und hat sich den Kampf gegen Scharlatanerie in der Medizin auf die Fahnen geschrieben – eine wichtige Sache, würde da nicht die Falle lauern, zum Hammer zu werden, für den die Welt nur noch aus Nägeln besteht. Anstelle einer Auseinandersetzung in der Sache genügt ihm dann als Argument, dass sich die Anthroposophische Medizin von der „Schulmedizin“ abgrenzen wolle und dass „die Nationalsozialisten von ‚verjudeter Schulmedizin‘ sprachen“ – da können zwar Anthroposophen nichts dafür, aber sie wirkt, die Antisemitismus-Keule: der Gegner moralisch erledigt, jeder weitere Dialog überflüssig...


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