Am 3.10.2026 wurde der 800. Todestag von Franz von Assisi gefeiert. Er hat im Mittelalter die Entwicklung des Christentums maßgeblich geprägt und wurde bereits zwei Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen. Das italienische Parlament nahm dieses Jubiläum zum Anlass, darüber abzustimmen, ob nicht wie in früheren Zeiten der 4.10. erneut ein nationaler Feiertag werden sollte. Nun ist es wieder so und die Nähe des Volkes zu diesem so liebenswerten wie ungewöhnlichen Menschen bestätigt.
Franziskus war revolutionär und sein extremes Leben, beschrieben in vielen Legenden mit bezaubernden Bildern zugleich eine große Anklage gegen den moralischen Verfall der katholischen Kirche, aber auch der etablierten Mönchsorden im Mittelalter.
Franziskus wurde als Sohn eines reichen Kaufmanns geboren und verbrachte Kindheit und Jugend in verschwenderischer Geselligkeit. Mit 22 Jahren, auf dem Weg nach Apulien mit dem Ziel, Ritter zu werden, empfing er in Visionen seinen Auftrag, dem Irdischen abzusagen. Er kehrte in seine Heimat zurück und in der Kirche San Damiano sprach ihn aus dem Kreuz Christus an: „Franz, siehst du denn nicht, wie mein Haus zerstört wird? Geh und stelle es wieder her!“ Seitdem erlebte er die Wundmale des Herrn in seinem Herzen und empfand diesen Auftrag sowohl wörtlich als konkrete Hilfe für das verarmte Kirchlein als auch sinnbildlich für die Kirche insgesamt.
Der Vater wollte Franz ein Leben in vollkommener Besitzlosigkeit und im Dienst des Evangeliums verbieten, verprügelte ihn und sperrte ihn ein, aber die Mutter ließ ihn während einer Geschäftsreise des Vaters frei. Vor dem Bischofspalast sagte er sich schließlich endgültig vom Vater los, entledigte sich in einem Zimmer des Palastes seiner Kleider, legte sein Geld darauf und trat nackt vor das Volk. Der Bischof bedeckte ihn dann schließlich mit seinem Chormantel.
Ab diesem Zeitpunkt hatte Franziskus lediglich eine Mönchskutte als Besitz, lehnte jedes weitere Eigentum, insbesondere Geld radikal ab. Seine Schutzheilige im Sinne des Evangeliums war die Armut und Arme waren es, denen alle Mönchsbrüder, die zu Franziskus fanden, ihren Besitz geben sollten. Franziskus lebte in einfachsten Hütten aus Lehm, Weidengeflecht und Stroh, predigte das Evangelium und pflegte Kranke, bis dahin, dass er eiternde Wunden von abgesonderten Aussätzigen persönlich ohne Angst vor Ansteckung auswusch.
Als Franziskus 1209, mit 27 Jahren, mit einer kleinen Schar seiner Anhänger nach Rom zu Papst Innozenz III pilgerte, um sich seinen Orden bestätigen zu lassen, war dieser zurückhaltend und äußerte Bedenken wegen der absoluten Armut, der sich die Brüder verschreiben wollten, zu groß erschien der Kontrast zum Lebensstil der führenden Kleriker. Schließlich musste er der neuen Ordensgründung als Bettelorden zustimmen.
Auch wenn das Ideal absoluter Besitzlosigkeit schon zu Lebzeiten von Franziskus nicht durchzuhalten war, erschien es doch im weiteren Verlauf als hohes Ideal, den Dienst an der Menschheit, den die Mönche leisteten von jeglichem geregelten Einkommen und Besitz zu trennen, ganz auf gegenseitige Hilfe zu bauen und die Fürsorge für die Armen stets im Auge zu behalten.
1905 formulierte Rudolf Steiner erstmals in einem Aufsatz (GA 34) das „soziale Hauptgesetz“: „Das Heil einer Gemeinschaft von zusammenarbeitenden Menschen ist umso größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.“ Diese radikale Trennung von Arbeit und Einkommen sei aber nur möglich, wenn eine soziale Gemeinschaft eine gemeinsame geistige Mission habe.
Selbstlos Handeln in der Nachfolge Christi war der geistige Gründungsimpuls des Franziskanerordens. Rudolf Steiner schätzte Franziskus zusammen mit seinen Anhängern als moralisch ungeheuer hoch entwickelte Persönlichkeit, vollständig durchdrungen von der Seele des Jesus von Nazareth.
Im freiwilligen Spendenwesen, in jeder Form selbstloser Fürsorge für Menschen in Not, aber auch für die notleidende Natur, können wir heute franziskanische Gesinnung finden und wenn demnächst wieder das Oberuferer Christgeburtsspiel zur Aufführung kommt, dann finden wir vor allem in diesem Spiel Franziskus wieder: Er hat als erster an Weihnachten in Grecchio eine lebendige Krippe mit Ochs und Esel geschaffen, die ganze Nacht wurde mit dem Volk in Jubel, Predigt und Ekstase gefeiert, nicht in einer Kirche, sondern in der Nähe einer Höhle, wie in einer Art volkstümlichem Schauspiel, eben einem Christgeburtsspiel, erfüllt von tiefster Demut
| Dr. René Madeleyn
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