Anfang der 2000er Jahre, als die Digitalisierung begann, sich in unserem Leben zu etablieren, hatte ich ein eindrückliches Erlebnis: Mit einem Freund besuchte ich die „Zeche Zollverein“ im Ruhrgebiet. Wir liefen über das Gelände der damals schon stillgelegten Zeche und betrachteten die riesigen Gebäude aus Stahl und Beton, in welchen noch bis Ende der siebziger Jahre in riesigen Kammern die Kohle durch weiteres Erhitzen zur Energiegewinnung aufbereitet worden war. Im Anblick dieser Giganten stellte ich vor mein inneres Auge neben sie einen Chip aus einem Computer. Physisch-materiell winzig klein, doch mit einem besonderen Potential zur Weitergabe und Speicherung von Informationen. Ich ahnte, wie diese Technologie unsere Zukunft maßgeblich verändern und bestimmen würde. In einem Gegenwartsmoment überschnitten sich die Vergangenheit der in zwei Jahrhunderten perfektionierten Stahl-Industrie mit der ans Immaterielle grenzenden, ins Unsichtbare abtauchenden, neuen Informations-Technologie. Ich erinnerte mich, dass Rudolf Steiner die Erdentwicklung in einen ersten, dem Mars und in einen zweiten, dem Merkur zugeordneten Abschnitt eingeteilt hat. Die Digitalisierung musste kommen; sie bedeutet einen wichtigen Schritt im Gang des Menschen und der Menschheit. Doch ist sie ihrem Wesen nach merkuriell? Ja und Nein. Merkur, der „Alles-Beweger“, der „Alles-Durchdringer“, der die Dinge nicht wie ein marsisches Schwert trennt, sondern in Prozesshaftigkeit auflöst, ist wie in einem Schattenbild in ihren Phänomenen zu finden. Das merkurielle Prinzip lebt in ihnen, jedoch nicht entwicklungsfähig, sondern ist gebannt in die Geistigkeit der Unternatur. Die Sehnsucht nach dem alles Verbindenden wird durch sie nur scheinbar, aber nicht wirklich in den Tiefen erfüllt.
Und MICHAEL? Er, der Verwalter der Intelligenz, der Begleiter des Menschen seit jeher, schafft das Gegengewicht, den Ausgleich: Schweigend wartet er auf unsere Initiative, auf unser schöpferisches „Geist-Besinnen“. Während wir - von dem Können der künstlichen Intelligenz fasziniert - uns von ahrimanischen Wesen in ihre Nutzung hineinziehen lassen, lässt er uns frei, indem er erst in den Folgen unserer Taten lebt.
Wenn wir die Sogkräfte erkennen und immer wieder Abstand zu ihnen gewinnen, üben wir, von Herzenskräften erwärmte Gedanken zu bilden, die „Himmel und Erde“ wieder in Bezug zueinander bringen. Eigenständiges Denken kann wachsen, welches wir für die Entwicklung des Neuen in allen Aspekten unseres Lebens so notwendig brauchen.
Zu michaelischem Wollen (Mars) gesellt sich der raffaelische Atem und das Wahrnehmen des in der Situation jeweilig Stimmigen (Merkur). Diese, sich ergänzenden beiden Fähigkeiten werden uns in anstehenden Herausforderungen stärken.
Den bedrückenden Zwängen von außen können wir die Geist-Gewissheit, die in den Innenräumen unserer Seelen entsteht, jederzeit entgegenstellen und dadurch gewappnet sein für innere und äußere Kämpfe, die – als notwendige Entwicklungsaufgabe – ausgetragen werden wollen.
| Rosina Breyer
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