Soeben bereite ich einen Vortrag darüber vor, dass das Gehirn ein Spiegel und nicht in der Lage sei, Gedanken selbst zu erzeugen. Das berührt natürlich auch die Frage nach der Notwendigkeit künstlicher Intelligenz für unser Denken, die Jörg Ewertowski im letzten Newsletter aufgeworfen hat. Rudolf Steiner hat erstmals 1911 und dann immer wieder betont, dass unser Gehirn zwar notwendig für unser irdisches Bewusstsein sei, aber eben im Sinne eines Spiegels, der uns z.B. unsere Gestalt, wenn wir vor einem Spiegel stehen, so zeigt, wie wir sie ohne den Spiegel nicht erleben würden.
Ein Buch des bekannten Autors Manfred Spitzer, der lange Jahre Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie in Ulm war und sich vielfach mit Neurowissenschaft beschäftigt hat, trägt den Titel „Das Wahre, Schöne, Gute – Brücken zwischen Geist und Gehirn“. Er knüpft darin an die höchsten Ideale der Platonischen Philosophie an. Diese Ideale, insbesondere das Gute, stehen für Platon so hoch, dass darüber nur noch die Götterwelt kommt. Spitzer beschreibt nun sehr geistreich, dass in verschiedenen psychologischen Experimenten Versuchspersonen sich mit allgemeingültigen Wahrheiten, schönen Kunstgegenständen oder Gesichtern und moralisch guten Handlungen beschäftigen sollten. Dabei wurde mit modernen Messmethoden ihre Hirnfunktion untersucht und festgestellt, dass jeweils ähnliche Areale im Vorderhirn aktiviert wurden und eindeutig andere, als bei der Beschäftigung mit offensichtlichen Lügen. Spitzer schließt daraus nicht, dass diese Ideale im Gehirn erzeugt werden, aber ihre wechselseitige Verwandtschaft dadurch beweisen, dass sie in denselben Hirnbereichen repräsentiert sind und zurückgespiegelt werden, deshalb auch das Bild der „Brücke“ zwischen Gehirn und Geist im Titel.
Rudolf Steiner wiederum spricht im Vortrag vom 5.8.1916 (GA 170) von diesen hohen Menschheitsidealen so, dass sich in ihnen die Dreigliederung wiederfindet: Die Wahrheit urständet im Vorstellungsleben, die Schönheit im Fühlen und die Güte im Willensleben. Sie stellen gemeinsam die kosmisch-übersinnlichen Bildekräfte dar, mit denen der Mensch seinen Leib aufbaut und die ihm die notwendige Orientierung für sein Leben geben.
Zur Belebung dieser Lebensideale formulierte Rudolf Steiner für ein 7-jähriges Kind das „Abendglockengebet“, das an Waldorfschulen immer wieder einmal gesprochen wird:
Das Schöne bewundern
Das Wahre behüten
Das Edle verehren
Das Gute beschließen:
Es führet den Menschen
Im Leben zu Zielen
Im Handeln zum Rechten
Im Fühlen zum Frieden
Im Denken zum Lichte;
Und lehrt ihn vertrauen
Auf göttliches Walten
In allem, was ist
Im Weltenall
Im Seelengrund.
| Dr. René Madeleyn
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