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Andere Menschen glücklich machen wollen?

von Dr. Jörg Ewertowski | 02/28/2026

Jenseits von Pessimismus und Optimismus

Wenn wir denken, sind wir antisozial. Diese Behauptung ist keine Intellektuellenschelte und keine Aufforderung, uns vom Denken abzuwenden und stattdessen aufs Fühlen zu verlegen. Denn im Fühlen walten Sympathie und Antipathie und verstricken uns in Fehlurteile über die anderen Menschen. Also bleibt nur die Liebe? Aber auch da wird der Leser der Vorträge Rudolf Steiners vom 6. und 12. Dezember 1918 enttäuscht.* Denn die Liebe sei meistens nur Selbstliebe, so behauptet Steiner hier weiter. Entweder genießen wir das Gefühl des Liebens oder wir lieben nur das Eigene. 

Steiner scheint sich in der kritischen Zeit nach dem Ende des Krieges vorübergehend in die Gruppe derer einzureihen, die eine negative Anthropologie entwickelt haben: Deren berühmtester Vertreter ist Thomas Hobbes, der den Menschen im sozialen Zusammenhang bekanntlich als Wolf bezeichnet hat. Der Staat ist dann erforderlich, um die destruktiven Triebe seiner Bürger zu bändigen. Aber Steiner wollte 1918 lediglich darauf aufmerksam machen, unter welchen Bedingungen jedes Nachdenken über neue soziale Formen steht. Deshalb redet er ebenso wenig einem Pessimismus das Wort wie der Philosoph Karl R. Popper, der Mitte des 20. Jahrhunderts schreibt, dass von allen politischen Idealen der Wunsch, die Menschen glücklich zu machen, viel-leicht der gefährlichste sei. Denn wer diesem Wunsch das Wort gibt, hält das für ein Zeichen der Liebe. Aber diese Liebe führe unvermeidlich zu dem Versuch, anderen Menschen unsere Werte aufzuzwingen. Und deshalb wäre eine Welt, in der wir uns alle lieben, gerade nicht der Himmel auf Erden, sondern die Hölle. 
Das »antisoziale« Element des Denkens gehört für Steiner zum Menschsein und lässt sich nicht weichspülen. Wer sich soziale Systeme aus-»denkt«, befindet sich deshalb per se in einem Selbstwiderspruch. Auflösen lässt sich der nicht. Wer weiß, dass es sich so verhält, der wird aber den Himmel nicht auf die Erde zwingen wollen. Er wird auch umgekehrt nicht das Irdische verabsolutieren und deshalb den Himmel aus dem Denken ausschließen, sondern er wird zwischen Himmel und Erde eine Schwelle ansetzen. 
Der Mensch trägt einen Widerspruch in sich selbst. Er kann nicht sozial sein, ohne sich selbst zu verlieren, und er kann sich in seinem Selbstsein nicht behaupten, ohne antisozial zu sein. Das beeinträchtigt nicht nur die Konzeption neuer sozialer Ordnungen, sondern ganz allgemein das Geistesleben, denn dieses gründet in Zusammenarbeit. Zusammenarbeit erfordert einen beständigen Wechsel zwischen Hingabe und Selbstbehauptung, der von Steiner mit den Metaphern von »einschläfern«, »wachhalten« und »schlafen« beschrieben wird. Die Freiheit des Geisteslebens ist deshalb nicht nur von außen bedroht, wo man sie leichter dingfest machen kann, sondern immer schon durch die menschliche Natur. In den zwischenmenschlichen Beziehungen des Geisteslebens stehen wir uns selbst im Weg, wenn es darum geht, eigene Irrtümer zu erkennen, uns durch andere Menschen korrigieren und befruchten zu lassen oder andere Auffassungen zu verstehen. Und deshalb scheint mir der Satz, den ich neulich in einem Artikel über ideologische Unduldsamkeit in unserer Gegenwart gelesen habe, ebenfalls wert, erinnert zu werden: Früher habe man die Fehler der anderen Menschen kritisiert, heute verurteile man den Menschen als falsch. Aber es sei absurd zu glauben, Menschen könnten fehlerlos handeln. Das Menschsein ist seiner Natur nach »prekär«. Wer glaube, im Besitz der Wahrheit zu sein, der hat den Raum der Freiheit verlassen. 
 

*in: Rudolf Steiner: Die soziale Grundforderung unserer Zeit. In geänderter Zeitlage, GA 186.

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