Eine nette Nachbarin, mit der wir bis vor einem Jahr noch bei zufälligen Begegnungen regelmäßig ein paar Worte gewechselt hatten, dreht sich seit einiger Zeit demonstrativ weg, wenn wir kommen. Wie kann das sein? Haben wir sie, ohne es zu wissen, brüskiert? Oder hat sie erfahren, dass wir zu den Anthroposophen gehören, über die sie in der Presse so einige merkwürdige Dinge gelesen hat? Hält sie uns jetzt für unsoziale „Impfgegner“, für Anhänger einer Sekte? Oder sitze ich mit solchen Vermutungen einem Verfolgungsglauben auf? Im Rudolf Steiner Haus erlebe ich, dass sich die einen darüber beschweren, dass es unter uns Menschen gibt, die die Sorge gegenüber den Problemen der Pandemie nicht ernst genug nehmen. Und andere wiederum unterstellen den Besorgten, dass sie auch von der Angstwelle erfasst seien. Die Unterschiede sind groß. Aus der Außensicht werden wir jedoch meist über einen Kamm geschoren. Dabei ist es nur so, dass wir trotz der großen Verschiedenheiten doch gemeinsam Kraft aus der Anthroposophie schöpfen können. Die Pandemie ist nicht die Ursache für all diese sozialen Probleme, sie ist vielmehr der Prüfstein, an dem sie sichtbar werden. Keine der alten familiären, kulturellen und religiösen Zusammenhänge trägt mehr. Wer sich der Individualisierung, die jetzt angesagt ist, zu entziehen versucht oder sie mit einem bloßen Freibrief verwechselt, der verfällt diversen unfreien Mustern und Gruppenzwängen und Pseudosicherheiten – und das geschieht in allen Lagern, die meinen, über sichere Erklärungen zu verfügen. Aber die alte Dame »Kausalität« ist gebrechlich geworden. Sie geht am Stock und hinkt dem Zeitgeschehen hinterher. Nichts ist mehr eindeutig. Die Zwickmühle ist zur Signatur der Gegenwart geworden. So vollzieht sich die endgültigen Ablösung der Verstandesseele durch die sich entwickelnde Bewusstseinsseele. |
| Dr. René Madeleyn
Soeben bereite ich einen Vortrag darüber vor, dass das Gehirn ein Spiegel und nicht in der Lage sei, Gedanken selbst zu erzeugen. Das berührt natürlich auch die Frage nach der…
| Rosina Breyer
Liebe Interessierte, in meinem Freundeskreis sehnen sich zurzeit viele Menschen nach Vertiefung. Auch wir Anthroposophen werden in den Strudel der Beschleunigung hineingerissen, der sich im…
| Dr. Christoph Hueck
Rudolf Steiners Ideen für eine gesunde soziale Ordnung umfassen ein freies geistiges Leben, eine geregelte rechtliche Sphäre, und einen sicheren,…
| Dr. Ruth Ewertowski
Der November ist ein Monat voll stiller Feiertage (Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag). In dieser Zeit befassen wir uns mehr als zu jeder anderen…
| Martin Merckens
Wir gehen in die Michaeli-Zeit hinein. Jene Zeit, von der Rudolf Steiner sagt, dass sie eine Festeszeit ist, die wir heute eigentlich noch nicht wirklich zu feiern wissen, beziehungsweise uns dabei…
| Marco Bindelli
"Verliere Dich, um Dich zu finden": So paradox wird die Johanni Stimmung in den Wochensprüchen eingeleitet. So ähnlich wird sie dann in den darauf folgenden Sprüchen in Variationen immer wieder…
| Dr. Ruth Ewertowski
Geburts- und Todestage sind Anlässe, sich mit wichtigen Persönlichkeiten der Geistesgeschichte zu befassen. Im Mittelpunkt stand und steht für uns in diesem Jahr dabei natürlich Rudolf Steiner und sein 100.…
| Fedaa Aldebal
Nach dem hundertsten Todestag Rudolf Steiners vergegenwärtige ich mir eine Mission, die er auf dieser Welt zu vollbringen hatte. Als ihn einmal Ehrenfried…